Notebooks mit Fingerabdrucksensor im Alltagstest
Ein Fingerabdrucksensor im Notebook erspart das tägliche Eintippen des Passworts: Der Finger auf dem Sensor genügt, und Windows meldet Sie an. Die Bequemlichkeit hat aber auch Folgen für die Sicherheit. Diese sollten Sie vor dem Kauf oder der Nutzung eines solchen Geräts kennen. Ob der Sensor für Sie den richtigen Kompromiss aus Komfort und Sicherheit bietet, hängt von Ihrer Nutzungsweise ab.
Was der Sensor im Alltag bringt
Der praktische Gewinn zeigt sich bei jedem Öffnen des Deckels. Sie müssen weder Passwort noch PIN eintippen und sich keine komplexe Zeichenfolge merken. Besonders bei kurzen Arbeitsunterbrechungen, wenn Sie den Laptop zuklappen und wenig später wieder öffnen, spart der Sensor Zeit. Sie legen den Finger auf, und Windows entsperrt den Bildschirm.
Dazu kommt der Komfort bei der Anmeldung an Diensten. Mit Windows Hello, der Anmeldefunktion von Microsoft, können Sie sich nach der ersten Einrichtung auch bei unterstützten Websites und Apps mit dem Fingerabdruck anmelden. Das funktioniert über denselben Sensor und ersetzt dort ebenfalls die Passworteingabe. Wer viele Konten verwaltet, spart dadurch täglich Zeit.
Der Sensor ist aber kein Selbstläufer. Er funktioniert zuverlässig, wenn der Finger sauber und trocken ist. Nach dem Händewaschen, beim Sport oder an einem regnerischen Tag kann der Sensor den Abdruck nicht immer eindeutig lesen. Dann verwendet Windows die PIN, die Sie als Ersatz einrichten sollten. Wer den Sensor nur als zusätzliche Option sieht und die PIN als Reserve behält, ist im Alltag besser aufgestellt als jemand, der sich ausschließlich auf den Fingerabdruck verlässt.
Wie sicher die Anmeldung mit dem Finger ist
Die Sicherheitsaussagen zu Windows Hello stammen von Microsoft und sind Herstellerangaben. Nach diesen Angaben ist die Anmeldung mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung phishing-resistent. Das bedeutet: Ein Angreifer, der Sie mit einer gefälschten Website zur Eingabe Ihres Passworts verleiten will, hat bei der biometrischen Anmeldung keine Chance, weil Sie kein Passwort übertragen.
Windows Hello kombiniert dabei zwei Faktoren: den Fingerabdruck als Merkmal Ihrer Person und das Gerät selbst als Besitznachweis. Der Fingerabdruck allein genügt nicht, um sich auf einem anderen Rechner anzumelden. Die biometrischen Daten bleiben auf Ihrem Notebook gespeichert und werden nicht an Microsoft oder andere Server übertragen. Das unterscheidet die lokale Anmeldung von Cloud-Diensten, bei denen Ihre Daten zentral liegen.
Bei neueren Geräten kommt die erweiterte Anmeldesicherheit hinzu, die Microsoft als Enhanced Sign-in Security bezeichnet. Sie nutzt virtualisierungsbasierte Sicherheit und das Trusted Platform Module, einen Sicherheitschip im Notebook, um die biometrischen Daten vom übrigen System zu isolieren. Selbst wenn ein Schadprogramm Zugriff auf Windows erhält, findet es die Fingerabdruckdaten nicht im normalen Speicher. Diese Schutzmechanismen gelten nach Microsofts Dokumentation ausdrücklich für die Gesichtserkennung; für Fingerabdrucksensoren beschreibt der Hersteller den Schutz nicht im selben Detail. Wer maximale Sicherheit will, sollte daher prüfen, ob sein Gerät die erweiterte Anmeldesicherheit unterstützt und ob der Hersteller sie für den Fingerabdrucksensor aktiviert hat.
Windows Hello richtig einrichten
Sie richten den Sensor in den Windows-Einstellungen ein. Sie öffnen den Bereich Konten und dort den Punkt Anmeldeoptionen. Zuerst legen Sie eine PIN fest, denn Windows benötigt sie als Ersatz und für die Erstkonfiguration. Danach richten Sie den Fingerabdruck ein. Windows fordert Sie auf, den Finger mehrfach auf den Sensor zu legen, damit er den Abdruck aus verschiedenen Winkeln erfasst.
Achten Sie bei der Einrichtung darauf, dass Sie den Finger so auflegen, wie Sie es später im Alltag tun. Wer den Sensor mit dem rechten Zeigefinger einrichtet, sollte auch im Betrieb diesen Finger verwenden. Sie können mehrere Finger hinterlegen, etwa Zeigefinger beider Hände, falls Sie das Notebook häufig mit der linken Hand öffnen. Nach der Einrichtung sollten Sie testen, ob die Anmeldung nach dem Zuklappen und Wiederöffnen zuverlässig funktioniert. Wenn der Sensor den Abdruck nicht erkennt, können Sie weiterhin die PIN verwenden.
Wo der Sensor an seine Grenzen stößt
Der Fingerabdrucksensor ist ein Komfortmerkmal, kein Sicherheitswunder. Wer ein Notebook mit sensiblen Daten beruflich nutzt, sollte sich bewusst sein, dass ein Fingerabdruck nicht geheim ist. Sie hinterlassen Abdrücke auf Gläsern, Tastaturen und Türklinken. Ein Angreifer mit physischem Zugriff auf das Gerät könnte theoretisch versuchen, einen Abdruck zu kopieren. Die erweiterte Anmeldesicherheit erschwert das Auslesen der gespeicherten Daten, aber sie verhindert nicht, dass jemand Ihren Fingerabdruck von einer Oberfläche abnimmt.
Wichtiger im Alltag sind die Einschränkungen. Der Sensor arbeitet mit einer kleinen Kontaktfläche und reagiert empfindlich auf Schmutz, Feuchtigkeit und Hautveränderungen. Im Winter, wenn die Haut trocken und rissig ist, oder nach längerer Arbeit mit Chemikalien kann die Erkennungsrate sinken. Auch ein Pflaster am Finger blockiert die Anmeldung. In solchen Situationen ist die PIN der schnellere Weg, und genau dafür sollten Sie sie eingerichtet haben.
Ein weiterer Punkt ist der Verschleiß. Der Sensor ist ein Bauteil, das täglich berührt wird. Die Oberfläche kann mit der Zeit Kratzer bekommen, und die Erkennungsqualität nimmt dann ab. Das ist kein Grund, auf den Sensor zu verzichten, aber es erklärt, warum ein älteres Notebook mit vielen Nutzungsjahren häufiger nach der PIN fragt als ein neues Gerät.
Für wen sich der Sensor lohnt
Der Fingerabdrucksensor lohnt sich für alle, die ihr Notebook mehrmals täglich öffnen und schließen und dabei keine Lust haben, jedes Mal ein Passwort zu tippen. Das betrifft Pendler, Studierende und alle, die im Homeoffice zwischen Besprechungen wechseln. Auch wer viele Online-Dienste nutzt und die Passwortverwaltung vereinfachen möchte, profitiert von der Windows-Hello-Anmeldung.
Weniger relevant ist der Sensor für Menschen, die ihr Notebook selten zuklappen und es überwiegend stationär am Schreibtisch betreiben. Dort fällt der Komfortgewinn gering aus, und die PIN-Eingabe ist kaum ein Aufwand. Wer zudem ein sehr altes Notebook ohne Trusted Platform Module nutzt, bekommt die erweiterten Sicherheitsfunktionen nicht, und der Sensor bietet dann nur den Komfort, nicht den vollen Schutz.