Kaufberatung

Laptop-Kaufberatung ohne geschönte Benchmark-Tests

Benchmark-Tests versprechen eine einfache Antwort auf die Frage, welcher Laptop der schnellste ist. In der Praxis sagen sie wenig über den Alltag aus: Hersteller optimieren Geräte für diese Tests oder veröffentlichen nur die günstigsten Messwerte. Für den Laptop-Kauf zählen deshalb nicht nackte Punktzahlen, sondern unabhängige Testlabore, realistische Nutzungsszenarien und eine klare Vorstellung vom eigenen Bedarf.

Warum Herstellerangaben und Punktzahlen irreführen

Die meisten Laptop-Hersteller geben für ihre Geräte Prozessoren, Grafikkarten und Arbeitsspeicher an. Diese technischen Daten sind korrekt, aber sie beschreiben nur die verbauten Komponenten, nicht das Verhalten des fertigen Geräts. Ein Prozessor mit hoher Taktrate kann in einem dünnen Gehäuse wegen Überhitzung seine Leistung drosseln, während derselbe Prozessor in einem größeren Gerät dauerhaft schnell arbeitet. Diese sogenannte thermische Drosselung taucht in keiner Herstellerangabe auf.

Benchmark-Programme wie 3DMark oder Cinebench messen zwar die Leistung unter definierten Bedingungen, doch die Ergebnisse hängen stark vom Testaufbau ab. Manche Hersteller erkennen bekannte Benchmark-Software und schalten für die Dauer des Tests eine höhere Leistungsstufe frei, die im normalen Betrieb nicht aktiv ist. Solche Manipulationen sind schwer zu erkennen, weil die Punktzahlen technisch korrekt gemessen wurden. Sie verzerren aber den Vergleich zwischen verschiedenen Geräten.

Außerdem veröffentlichen viele Hersteller nur die Ergebnisse, die ihr Gerät in der besten Konfiguration erzielt hat. Ein Laptop mit viel Arbeitsspeicher und schneller SSD schneidet in Tests besser ab als dasselbe Modell mit weniger Arbeitsspeicher und langsamerem Speicher. Im Handel stehen aber oft die günstigeren Ausstattungsvarianten, deren Leistung deutlich darunter liegt.

Woran Sie seriöse Tests erkennen

Unabhängige Testlabore wie das von COMPUTER BILD in Berlin arbeiten nach einem anderen Prinzip. Sie kaufen die Geräte im Handel, testen sie mit standardisierten Verfahren und veröffentlichen die Ergebnisse ohne Rücksicht auf Herstellerwünsche. Diese Tests sind teurer und aufwendiger, aber sie bilden die reale Leistung ab, die ein Käufer erwarten kann.

Seriöse Tests haben drei gemeinsame Merkmale. Erstens nennen sie die genaue Testmethode, also welche Software, welche Einstellungen und welche Umgebungstemperatur verwendet wurden. Zweitens testen sie mehrere Geräte derselben Baureihe, um Serienstreuungen zu erkennen. Drittens trennen sie die Messwerte von der Bewertung: Ein Laptop kann in der Leistung schlecht abschneiden, aber wegen guter Tastatur und langer Akkulaufzeit trotzdem eine Kaufempfehlung erhalten.

Achten Sie bei Online-Tests darauf, ob der Tester die Geräte selbst gekauft hat oder vom Hersteller geliehen bekommen hat. Geliehene Geräte sind nicht automatisch schlecht, aber das Risiko ist höher, dass der Hersteller ein speziell vorbereitetes Exemplar geschickt hat. Auch die Finanzierung der Website ist ein Indiz: Wenn ein Testportal hauptsächlich von Affiliate-Provisionen lebt, kann das die Auswahl der empfohlenen Geräte beeinflussen.

Was Sie statt Benchmark-Listen nutzen sollten

Statt auf einzelne Punktzahlen zu schauen, sollten Sie Ihre eigene Nutzung in den Mittelpunkt stellen. Ein Kaufberater fragt nach Ihrem Hauptverwendungszweck, Betriebssystem, Budget und den Anforderungen an Größe und Akkulaufzeit. Er führt Sie zu einer deutlich besseren Auswahl als jede Benchmark-Tabelle. Solche interaktiven Berater gibt es auf vielen Testseiten. Sie berücksichtigen, dass ein Laptop für Büroarbeit andere Anforderungen hat als einer für Videobearbeitung oder Gaming.

Für Gamer gibt es eine besonders nützliche Alternative zu abstrakten Grafikkarten-Punktzahlen: Listen, die zeigen, welche Spiele auf welcher Grafikkarte flüssig laufen. Diese Listen nennen konkrete Spiele, Auflösungen und Bildraten. So gleichen Sie sie direkt mit den Spielen ab, die Sie tatsächlich spielen möchten. Wenn Ihre Wunschspiele auf der Grafikkarte des Kandidaten flüssig laufen, sagt das mehr aus als ein Ranking-Platz in einem synthetischen Benchmark.

Bei der Nutzung solcher Listen sollten Sie auf das Datum achten. Eine Liste für Smartphone-Grafikkarten aus dem Jahr 2015 hilft bei der Auswahl eines aktuellen Tablets nicht weiter, weil sich die Leistungsklassen in wenigen Jahren deutlich verschieben. Gleiches gilt für Spielelisten: Ein Spiel, das vor fünf Jahren flüssig lief, kann nach einem großen Update deutlich mehr Leistung verlangen.

Die fünf wichtigsten Kaufkriterien

Für die meisten Käufer sind diese fünf Punkte wichtiger als jede Benchmark-Zahl:

  • Arbeitsspeicher: Eine ausreichende Menge Arbeitsspeicher ist das Minimum für Windows, mehr Arbeitsspeicher ist empfehlenswert, wenn Sie mehrere Programme gleichzeitig offen haben oder mit großen Dateien arbeiten.
  • SSD statt HDD: Eine SSD beschleunigt das Hochfahren und Programmstarten spürbar. Eine klassische Festplatte ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, etwa für sehr große Datenmengen ohne Geschwindigkeitsanspruch.
  • Display und Tastatur: Diese Komponenten bestimmen, wie angenehm Sie täglich arbeiten. Ein mattes Display mit guter Farbdarstellung und eine Tastatur mit ordentlichem Tastenhub sind wichtiger als ein minimal schnellerer Prozessor.
  • Akkulaufzeit: Herstellerangaben zur Akkulaufzeit gelten meist für den Leerlauf. Realistische Tests von unabhängigen Laboren zeigen, wie lange das Gerät bei typischer Nutzung durchhält. Planen Sie einen Puffer ein.
  • Anschlüsse: Prüfen Sie, ob der Laptop die Anschlüsse hat, die Sie benötigen. USB-C mit Ladefunktion, HDMI für den Beamer und ein Kartenleser sind je nach Nutzung entscheidend, lassen sich aber nicht nachrüsten.

Wie Sie Ihren Bedarf konkret ermitteln

Bevor Sie sich mit konkreten Modellen beschäftigen, beantworten Sie drei Fragen. Erstens: Was ist die Hauptaufgabe? Ein Student, der Notizen schreibt und im Browser recherchiert, braucht weniger Leistung als ein Entwickler, der virtuelle Maschinen startet. Zweitens: Wo wird der Laptop genutzt? Ein Gerät für den täglichen Transport sollte leicht und robust sein, ein Gerät für den Schreibtisch kann schwerer und dafür günstiger sein. Drittens: Wie lange soll das Gerät halten? Wenn Sie planen, den Laptop fünf Jahre zu nutzen, lohnt sich ein Aufpreis für mehr Arbeitsspeicher und einen besseren Prozessor, weil Sie das Gerät nicht aufrüsten können.

Diese drei Antworten grenzen die Auswahl deutlich ein. Ein großer Gaming-Laptop mit starker Grafikkarte ist für die Bibliothek ungeeignet, ein kleines Ultrabook mit sparsamem Prozessor ist für Videobearbeitung zu langsam. Die Benchmark-Zahl, die Sie in einem Test sehen, hilft nur bei der Entscheidung zwischen zwei Modellen, die in allen anderen Punkten gleichwertig sind.