Gebrauchte Laptops: Checkliste für den Zustandstest
Ein gebrauchter Laptop spart mehrere hundert Euro, wenn er in gutem Zustand ist. Stiftung Warentest prüfte 40 aufbereitete Laptops von sieben Online-Shops; nur vier Anbieter überzeugen bei Qualität und Service. Die Ersparnis gegenüber einem Neugerät beträgt bis zu 1.200 Euro. Prüfen Sie den Zustand vor dem Kauf genau, um einen Fehlkauf zu vermeiden.
Warum sich gebrauchte Business-Notebooks lohnen
Aufbereitete Laptops nennt der Fachhandel Refurbished. Händler kaufen sie an, ersetzen defekte Bauteile und verkaufen sie mit Gewährleistung weiter. Besonders lohnenswert sind hochwertige Business-Geräte wie Lenovo ThinkPad, Dell Latitude oder HP EliteBook. Diese Modelle sind für den Dauereinsatz im Unternehmen gebaut. Sie halten nach mehreren Jahren Nutzung oft noch viele Jahre. Ein gebrauchtes Business-Notebook bietet daher ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als ein neues Einsteigermodell, das nach zwei Jahren an seine Grenzen stößt.
Der Preisvorteil ist real: Stiftung Warentest hat in seinem Test bis zu 1.200 Euro Ersparnis pro Gerät ermittelt. Dieser Vorteil schrumpft allerdings, wenn Sie nach dem Kauf teure Reparaturen zahlen müssen. Ein defektes Display oder eine schwache Batterie können die Ersparnis schnell auffressen. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf gründlich.
Gehäuse und Scharniere prüfen
Prüfen Sie zuerst das Äußere. Nehmen Sie das Gerät in die Hand und betrachten Sie das Gehäuse bei gutem Licht. Achten Sie auf Risse, Brüche oder tiefe Kratzer, die auf einen Sturz hindeuten. Ein Sturz kann nicht nur das Gehäuse beschädigen, sondern auch innere Komponenten wie Hauptplatine oder Festplatte.
Öffnen und schließen Sie den Deckel mehrmals langsam. Die Scharniere sollten dabei einen gleichmäßigen Widerstand bieten und der Bildschirm in jeder Position stabil stehen bleiben. Wackelt der Bildschirm oder knarzt das Scharnier, deutet das auf Verschleiß hin. Ein Scharnierwechsel ist eine aufwendige und teure Reparatur.
Drehen Sie das Gerät um und prüfen Sie die Unterseite auf Verformungen oder Beulen. Fehlende Schrauben oder Kratzspuren an den Schraubenköpfen verraten, dass das Gerät bereits geöffnet wurde. Das ist nicht zwangsläufig ein Problem, wenn der Händler nachweislich Komponenten getauscht hat. Bei einem Privatverkauf sollten Sie jedoch nachfragen, warum das Gerät geöffnet wurde.
Display genau untersuchen
Das Display ist das teuerste Einzelteil eines Laptops. Ein Austausch kostet bei vielen Modellen mehrere hundert Euro und kann die gesamte Ersparnis zunichte machen. Prüfen Sie das Display deshalb besonders gründlich.
Stellen Sie ein einfarbiges Bild ein, am besten Weiß, und betrachten Sie den Bildschirm aus verschiedenen Blickwinkeln. Achten Sie auf helle oder dunkle Punkte, die immer sichtbar sind. Das sind Pixel-Fehler. Sie lassen sich nicht reparieren. Ein einzelner toter Pixel ist ärgerlich, aber verkraftbar. Mehrere Fehler oder ganze Pixel-Bereiche, die nicht mehr leuchten, sind ein Ausschlusskriterium.
Prüfen Sie außerdem die Helligkeit: Stellen Sie sie auf Maximum und Minimum. Das Bild sollte in beiden Einstellungen gleichmäßig ausgeleuchtet sein. Flecken, Schlieren oder ein gelblicher Stich deuten auf eine gealterte Hintergrundbeleuchtung hin. Auch Druckstellen auf dem Panel, die sich als helle oder dunkle Flächen zeigen, sprechen gegen den Kauf.
Tastatur, Trackpad und Anschlüsse testen
Die Tastatur ist das am häufigsten genutzte Bauteil. Testen Sie jede einzelne Taste, auch Sondertasten wie Umschalt, Alt und die Funktionstasten. Achten Sie auf ein gleichmäßiges Druckgefühl. Klemmende oder hängende Tasten sind ein Zeichen für Abnutzung oder verschüttete Flüssigkeiten. Ein Tastaturtausch ist bei vielen Modellen möglich, kostet aber Arbeitszeit und Ersatzteil.
Das Trackpad sollte auf Berührungen präzise reagieren und der Klick auf beiden Seiten gleichmäßig auslösen. Ein schwammiges oder aussetzendes Trackpad lässt sich oft nur durch einen kompletten Ersatz des Handballenbereichs beheben. Das kann teuer werden.
Testen Sie alle Anschlüsse der Reihe nach: USB-Ports, HDMI, Klinkenstecker für Kopfhörer und gegebenenfalls Kartenleser. Stecken Sie nach Möglichkeit ein USB-Gerät und einen Kopfhörer an und prüfen Sie, ob sie erkannt werden. Ein lockerer oder beschädigter Anschluss ist ein häufiger Schwachpunkt bei gebrauchten Geräten.
Batterie und Akkuzustand bewerten
Die Batterie ist ein Verschleißteil, das mit der Zeit an Kapazität verliert. Bei einem gebrauchten Laptop ist ein gewisser Verschleiß normal, aber der Akku sollte noch genug Kapazität für den mobilen Einsatz bieten. Die meisten Betriebssysteme zeigen den Akkuzustand an. Unter Windows finden Sie den Zustand über die Eingabeaufforderung mit dem Befehl powercfg /batteryreport, bei macOS über die Systeminformationen unter „Energie".
Ein Akku, der deutlich an Kapazität verloren hat, wird Sie bald enttäuschen. Fragen Sie beim Händler nach, ob die Batterie getauscht wurde oder wie hoch der aktuelle Verschleiß ist. Seriöse Refurbished-Anbieter geben diese Information an. Bei einem Privatkauf sollten Sie den Akkuzustand selbst prüfen, bevor Sie zahlen.
Interne Komponenten und Software prüfen
Auch ohne das Gerät zu öffnen, können Sie den Zustand der internen Komponenten über das Betriebssystem prüfen. Starten Sie das Notebook und beobachten Sie, wie schnell es hochfährt. Ein sehr langsamer Start kann auf eine defekte oder überlastete Festplatte hindeuten. Bei Geräten mit SSD sollte der Start nur wenige Sekunden dauern.
Prüfen Sie, ob die angegebene RAM-Größe und der Prozessor mit den Angaben des Verkäufers übereinstimmen. Das geht unter Windows über den Task-Manager, unter macOS über „Über diesen Mac". Stimmen die Daten nicht überein, brechen Sie den Kauf ab.
Achten Sie auch auf den Zustand des Betriebssystems. Ein sauber aufgesetztes System ohne vorinstallierte Programme des Vorbesitzers ist ein gutes Zeichen. Bei einem Privatkauf sollten Sie nach dem Kauf das System neu aufsetzen, um sicherzugehen, dass keine persönlichen Daten oder Schadsoftware zurückbleiben.
Worauf Sie beim Händler achten sollten
Der Händler bestimmt, wie groß das Risiko Ihres Kaufs ist. Stiftung Warentest hat in seinem Test festgestellt, dass nur vier von sieben Refurbished-Shops überzeugen konnten. Das bedeutet: Die Qualität schwankt erheblich zwischen den Anbietern. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Bewertungen des Shops und prüfen Sie, ob er eine Gewährleistung von mindestens zwölf Monaten bietet. Seriöse Anbieter beschreiben den Zustand klar, etwa „sehr gut" oder „gut", und dokumentieren eventuelle Gebrauchsspuren.
Ein Vorteil gegenüber dem Privatkauf: Refurbished-Händler bieten in der Regel ein Rückgaberecht und eine Garantie. Bei einem Privatverkauf haben Sie diese Absicherung nicht. Wenn Sie dennoch privat kaufen, treffen Sie sich an einem Ort, an dem Sie das Gerät in Ruhe testen können, und verlangen Sie die Originalrechnung. Ein fehlender Kaufbeleg kann später Probleme bei Garantieansprüchen bedeuten.