Gebrauchte Laptops kaufen: Checkliste für den Kauf
Ein gebrauchter Laptop kostet oft nur einen Bruchteil eines Neugeräts. Wer nicht auf die neueste Prozessorgeneration angewiesen ist, bekommt dafür ein solides Arbeitsgerät. Ehemalige Business-Notebooks wie Lenovo ThinkPad, Dell Latitude oder HP EliteBook sind für den Dauerbetrieb gebaut, lassen sich häufig leicht öffnen und laufen nach Jahren im Büro noch zuverlässig.
Beim Kauf von Privat gibt es in der Regel kein Rückgaberecht. Viele Verkäufer schließen die Gewährleistung aus. Prüfen Sie das Gerät deshalb vor dem Bezahlen systematisch, vor Ort oder bei der Abholung.
Gehäuse und Scharniere prüfen
Das Gehäuse verrät, wie das Notebook behandelt wurde. Achten Sie auf Risse, Brüche, tiefe Kratzer und fehlende Schrauben. Reparaturspuren bedeuten nicht automatisch, dass das Gerät schlecht ist. Fragen Sie nach, was repariert wurde und warum.
Drehen Sie das Gerät um und sehen Sie sich die Unterseite an. Verformungen oder Dellen deuten auf einen Sturz hin. Öffnen und schließen Sie den Deckel mehrfach. Die Scharniere sollten sich gleichmäßig bewegen und den Bildschirm in jeder Position halten. Ein wackeliges Scharnier ist nicht nur lästig. Es kann mit der Zeit das Gehäuse brechen.
Display genau ansehen
Das Display zu tauschen gehört zu den teuersten Reparaturen an einem Notebook. Prüfen Sie den Bildschirm deshalb besonders sorgfältig. Schalten Sie das Gerät ein und lassen Sie sich ein weißes oder graues Bild anzeigen. Am einfachsten geht das mit einem Online-Pixeltest, der den Bildschirm in einfarbigen Flächen darstellt. So werden defekte Pixel sichtbar: kleine Punkte, die dauerhaft schwarz, weiß oder farbig bleiben.
Achten Sie außerdem auf dunkle Flecken, die durch Druck entstehen, auf ungleichmäßige Helligkeit und auf Flackern. Bewegen Sie den Deckel langsam, während der Bildschirm eingeschaltet ist. Wenn das Bild dabei zuckt oder streift, deutet das auf ein beschädigtes Displaykabel hin. Prüfen Sie auch die Helligkeit. Überlegen Sie, ob die maximale Stufe für den geplanten Einsatz reicht, etwa für Arbeiten in hellen Räumen.
Tastatur und Touchpad testen
Tippen Sie jede Taste einmal an, besonders Enter, Leertaste, Umschalttaste und die Pfeiltasten. Abgenutzte oder glänzende Tasten zeigen, dass das Gerät intensiv genutzt wurde. Tasten, die klemmen oder erst bei starkem Druck auslösen, deuten auf Schmutz oder Beschädigungen darunter hin. Auch die Funktionstasten und die Lautstärketasten sollten reagieren.
Testen Sie das Touchpad mit einer Mausbewegung und einem Klick. Bei vielen Business-Notebooks sitzt zwischen den Tasten ein kleiner roter Punkt, der TrackPoint. Wenn er vorhanden ist, prüfen Sie auch ihn. Eine Tastatur zu ersetzen ist bei vielen Modellen machbar, kostet aber Zeit und Geld. Wenn einzelne Tasten nicht funktionieren, sollten Sie das beim Preis berücksichtigen oder vom Kauf absehen.
Anschlüsse und Netzteil prüfen
Gehen Sie alle Anschlüsse durch: USB, HDMI, Audio, Kartenleser und den Ladeanschluss. Stecken Sie einen USB-Stick ein und ziehen Sie ihn wieder heraus. Der Stecker sollte fest sitzen und der Anschluss den Stick zuverlässig erkennen. Ein wackeliger USB-Port deutet auf einen defekten Lötpunkt hin. Die Reparatur kann aufwendig werden. Testen Sie auch den Kopfhörerausgang und, falls vorhanden, den HDMI-Ausgang.
Das Netzteil ist ein eigener Prüfpunkt. Prüfen Sie, ob es sich um das Original-Netzteil des Herstellers handelt oder um ein Drittprodukt. Sehen Sie sich das Kabel auf Beschädigungen und den Stecker auf Verformungen an. Schließen Sie das Netzteil an und prüfen Sie, ob der Laptop zuverlässig lädt. Ein fehlendes Original-Netzteil ist kein Grund, vom Kauf abzusehen, aber es gehört in die Preisverhandlung.
Akku und Laufzeit testen
Der Akku ist ein Verschleißteil. Auch ein gepflegtes Notebook verliert mit den Jahren an Kapazität, die Laufzeit wird kürzer. Bitten Sie den Verkäufer, das Gerät vor dem Termin vollständig zu laden. Ziehen Sie dann das Netzteil ab und beobachten Sie, wie schnell der Ladestand fällt. Wenn der Akku in wenigen Minuten deutlich nachlässt, ist er am Ende.
Unter Windows können Sie den Akkuzustand mit einem Bordmittel prüfen. Öffnen Sie die Eingabeaufforderung, indem Sie im Startmenü cmd eingeben, und führen Sie den Befehl powercfg /batteryreport aus. Windows speichert dann eine HTML-Datei, die Sie im Browser öffnen. Sie zeigt die ursprüngliche Kapazität und die aktuelle Kapazität des Akkus. So sehen Sie, wie viel von der ursprünglichen Kapazität noch übrig ist.
Klären Sie vor dem Kauf, ob der Akku fest verbaut ist oder sich tauschen lässt. Bei vielen Business-Modellen ist der Tausch einfach, bei anderen müssen Sie das Gerät öffnen und das Innenleben erreichen. Ein schwacher Akku ist kein Ausschlusskriterium, wenn der Preis das berücksichtigt.
Risiken und Garantie beim Privatkauf
Beim Kauf von einer Privatperson schließen viele Verkäufer die Gewährleistung ausdrücklich aus. Dann gilt: gekauft wie gesehen. Tritt nach dem Kauf ein Defekt auf, können Sie keine Ansprüche geltend machen. Ohne einen solchen Ausschluss gilt auch bei Privatverkäufen die gesetzliche Gewährleistung. Im Streitfall müssen Sie aber nachweisen, dass der Mangel schon beim Kauf vorlag. Das ist bei Gebrauchtgeräten oft schwierig.
Fragen Sie den Verkäufer nach der Geschichte des Geräts: Wo wurde es eingesetzt, wie lange, wurden Teile repariert oder getauscht? Eine Rechnung oder ein Kaufbeleg gibt Aufschluss über das Alter und den ursprünglichen Käufer. Zahlen Sie nicht bar ohne Beleg. Ein schriftlicher Kaufvertrag mit Seriennummer schützt beide Seiten.
Wenn Sie stattdessen bei einem gewerblichen Händler oder Refurbisher kaufen, also bei einem Anbieter, der gebrauchte Geräte aufbereitet, gelten die gesetzlichen Verbraucherrechte: Gewährleistung, Rückgaberecht und oft eine zusätzliche Garantie. Der Aufpreis gegenüber dem Privatkauf ist in vielen Fällen eine sinnvolle Absicherung, besonders wenn Sie das Gerät beruflich nutzen.